Der NSU 1999 - 2004


Vorgeschichte:

 

Der NSU, also der Nationalsozialistische Untergrund ist eine rechtsextreme Vereinigung zur Ermordung von Menschen mit Migrationshintergrund. Sie umfasst drei Gründungsmitglieder: Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Diese ermordeten in sieben Jahren neun Migranten, eine Polizistin, verübten drei Sprengstoffanschläge und 43 Mordversuche. In ihr Umfeld werden etwa 100-200 weitere Personen geschätzt. Erst mit dem Tod der beiden Männer, in einem ausgebrannten Wohnmobil wurden ihre Tätigkeiten 2011 bekannt. Zuvor gingen die Behörden von unabhängigen Verbrechen ohne rechten Hintergrund aus und suchten im Umfeld der jeweiligen Opfer nach den Tätern.

 

Tathergang/ bekannte Anschläge:

 

23.06.1999: Eine zur Rohrbombe umfunktionierte, aber fehlerhaft konstruierte Bombe, in Form einer Taschenlampe, explodierte auf der Herrentoilette eines türkischstämmigen Gastwirtes in Nürnberg. Nur der Pächter wurde leicht verletzt als er die Bombe anschaltete. Das Umfeld des Verletzten geriet in Verdacht, da es keinerlei Bezug zu der NSU gab. Im Nachhinein ergab sich, dass dies der erste rechtsradikale Anschlag der Gruppe war.

 

19.01.2001: Eine mit Schwarzpulver und Zünder präparierte Metalldose in einem Kölner Lebensmittelgeschäft explodierte und die deutsch-iranische Tochter des Inhabers wurde schwer verletzt. Dieses Verfahren wurde ebenfalls nach fünf Monaten ohne politische Motive zu überprüfen eingestellt. Erst durch das Geständnis Zschäpes konnte auch dieser Fall der NSU zugeordnet werden.

 

09.06.2004: Eine Nagelbombe auf der der Keupstraße in Köln, Mühlheim verletzte durch umherfliegende Nägel 22 Personen, einige davon lebensgefährlich. Auf der Straße befinden sich überwiegend türkische Geschäfte. Da auch hier keine gezielte Opferwahl erkennbar war, schlossen die Ermittler auch bei diesem Fall einen terroristischen Hintergrund aus.

 

Auswirkungen:

 

Durch die ergebnislosen Einsätze vieler gut bezahlter V-Männer im NSU-Umfeld geriet die deutsche Sicherheitspolitik in eine Krise. Einige Beamte vernichteten nach Bekanntwerden des NSU relevante Akten und Untersuchungsausschüsse untersuchten im Bundestag und acht Landesparlamenten den Einsatz von V-Leuten, Ermittlungspannen und Defizite in polizeilicher Organisation. 2012 traten sowohl die Leiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz als auch die der Landesbehörden Thüringen, Sachsen und Berlin zurück.

 

Der Prozess gegen Zschäpe und vier mutmaßliche Mittäter begann 2013. Am 11.07.2018 dann das Urteil. Sie wird zur lebenslangen Haft aufgrund von Beihilfe zum Mord, Brandstiftung, Sprengstoffanschlägen und wegen Mitgliedschaft im NSU im besonders schweren Maße verurteilt. Die vier Mittäter erhielten zeitbegrenzte Haftstrafen