Winnenden - 11.03.2009


Vorgeschichte:

Es ist der 11. März 2009. Ein Tag der Trauer und des Schreckens. Der Vater des Täters: ein Sportschütze, der 15 Waffen Zuhause lagert. Eine davon wurde nicht ordnungsgemäß weggeschlossen. Eine Waffe, die das Leben von 16 Menschen beendet. Nach dem Massaker ist bekannt geworden, dass Tim K. psychische Probleme hatte und früher gemobbt wurde. Heute sieht man diese zwei Punkte als Auslöser für die grausame Tat

Täter:

 

Am 11. März 2009, erschoss der 17 jährige Tim Kretschmer insgesamt 15 Menschen und anschließend sich selbst. Der aus einem Nachbarort stammende Täter, war selbst Schüler an der Albertville-Realschule, die er 2008 mit der mittleren Reife abschloss.

 

Den Ermittlungen der Polizei zufolge, war Kretschmer von April bis September 2008 in psychatrischer Betreuung. In seinem privaten Umfeld galt der 17 jährige als introvertiert und zurückgezogen. Später stellte sich heraus, dass er unter dem hohen Leistungsdruck seiner Eltern und dem Mobbing in der Schule litt. Er fühlte sich oft alleingelassen und suchte Trost bei seinen Tieren.

 

Tathergang:

 

8:50 Uhr Tim K verlässt. das Haus und macht sich mit einer Pistole seines Vaters, Typ Baretta 92 und etwa 280 Munition Schuss, auf den Weg zu seiner ehemaligen Schule.

Er betritt das Gebäude und während an der Albertville Realschule gerade die dritte Stunde läuft. 

9:30 Uhr Es fallen die ersten Schüsse.

9:33 Uhr Durch die Schüler wird ein Notruf abgesetzt.

9:35 Uhr Drei Streifenpolizisten treffen am Tatort ein. Nach dem Amoklauf in Erfurt wurden sie auf eine solche Situation vorbereitet und betreten die Schule. Dabei gelingt ihnen den Täter in die Flucht zu treiben und retten so vermutlich vielen das Leben.

9:40 Uhr Tim K. flüchtet anschließend über das Gelände des nahegelegten Psychatriezentrums und erschießt dabei einen Gärtner.

9:45 Uhr An der A81 nimmt er einen Autofahrer als Geisel und lässt sich etwa 100km nach Wendlingen fahren.

12:00 Uhr der Fahrer des Wagens kann durch ein Bremsmanöver fliehen.
12:05 Uhr der bewaffnete Schütze betritt ein Autohaus und fordert einen Fluchtwagen. Nachdem ihm dies verweigert wird, schießt er auf einen Mitarbeiter und einen Kunden.

Beide sterben noch am Tatort.

12:10 Uhr Es kommt zu einem Schusswechsel mit der Polizei.

12:30 Uhr Tim K. richtet sich selbst mit einem Kopfschuss hin.

 

Auswirkungen:

 

In der Schule wurden insgesamt neun Schüler/innen und eine Lehrerin erschossen.

Zehn weitere wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Opfer und Angehörige kämpfen bis heute mit den Erinnerungen und der Trauer um die Verstorbenen.

Der Amoklauf von Winnenden führte zu einer Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen an Schulen in ganz Deutschland. Zudem wurde die Anzahl an Schulpsychologen und Beratungslehrer an Schulen erhöht. Im Vergleich zu 2009 gibt es heute doppelt so viele Stellen im Bereich der Sozialarbeit.

Des Weiteren wurden auch die Vorschriften zur Aufbewahrung von Schusswaffen verschärft und regelmäßig unangemeldete Kontrollen durchgeführt. Mehr als 3000 Waffen wurden gesammelt und vernichtet. Auch bei der Polizei gibt es deutliche Verbesserungen im Bereich der Kommunikation, Ausrüstung und Vorbereitung auf ein solches Attentat.

 

Erinnerungskultur:

 

Auch heute noch, über 10 Jahre nach dem Amoklauf, erinnert man sich an die grausame Tat und ihre Opfer. Die Albertville-Realschule widmet den Verstorbenen einen eigenen Gedenkraum mit Kondolenzbüchern und Fotos. In Gedenken an die Opfer von Winnenden und Wendlingen hat die Stadt zudem nordöstlich der Realschule eine Plastik mit dem Namen: “gebrochener Ring“ erbaut, wobei der Bruch metaphorisch für die Tat steht.

Kurz nach dem Amoklauf, wurde die Stiftung „gegen Gewalt an Schulen“, gegründet. Hierbei handelt es sich um eine Initiative der Opfereltern, die es sich zur Aufgabe gemacht gegen Gewalt vorzugehen, Aufklärungsarbeit zu leisten und weitere Amokläufe zu präventieren.

Insgesamt vier Dokumentarfilme des SWR, ZDF und Spiegel TV, vergegenwärtigen und analysieren das Geschehene. Die Lieder: Schlechter Tag von Trailerpark (2012) und Nichts gelernt? Die leere nach Winnenden (2009) von Jan Hegenberg, thematisieren den Amoklauf.